Ein Dialog der Münsteraner Kulturvereine

Intercult ging in die elfte Runde

Ein Ratgeber zu „Wie heirate ich interkulturell?“, hitzige Diskussionen darüber, ob man sich zum Münsteraner Vereinskarneval eingeladen fühlt und ein baldiges Wiedersehen bei Salam Kitchen? Diese und viele andere Fragen standen bei der elften Ausgabe der „intercult grenzenlos“-TV Sendung im Fokus.

Vereine mit der Agenda für Inklusion, Integration und Akzeptanz werden eingeladen um  sich auf der Bühne über die Themen rund um Migration und Kultur in Münster auszutauschen. Unter dem Motto „Karneval der Kulturen- Selbstverständlich oder Selbstgespräch?“ wurden auch dieses mal Vereine am Freitag den 16. November ins Bürgerhaus Bennohaus gebeten, um bei Poetry Slam und Live-Musik die Frage zu klären, ob wir nun eins sind, oder ob jede Kultur ihren eigenen Karneval feiert. Durch den Abend führte die Moderatorin Anina Pomerenke und stellte zwischen den Videosequenzen der Vereinsportraits die  jeweiligen Gäste vor. Zu den geladenen Gästen gehörten erstmalig Alexander Daum und Amin Achoury vom Track Münster, die mit ihrem Projekt „Massar“ nach Deutschland emigrierte Jugendliche jeglicher sexuellen Orientierung und Identität begleiten, sowie der Vorsitz des CSD Münster Tobias Gehre. Außerdem präsentierten die Leiter der Slam Base Münster Sarah und Emeka Bob-Aneyji, eine kreative Kostprobe ihrer Arbeit. Was Verkostung betrifft, so war die Küchen-und Bildungsfusion Salam Kitchen, die tagsüber zertifizierten Deutschunterricht gibt und abends mit nah-östlichen Köstlichkeiten „Brücken baut“, ebenfalls dabei. Als viertes Mitglied an diesem Abend durfte das Bennohaus den entwick-lungspolitischen Verein Vamos e.V. begrüßen, der Aufklärungsarbeit über interkulturelle Probleme wie Umweltverschmutzung und Flucht betreibt.

Nach dieser kurzen Einführung fand die erste Performanz des Abends statt. Im witzig-provokanten Stil, stellten Ehepaar Aneyji ihre Erfahrung einer interkulturellen deutsch-irakisch, nigerianischen Hochzeit in einem Poetry-Slam vor. Zwischen Verwandtschafts-verhältnissen und DNA-Tests, geplanter Pünktlichkeit und zu spät kommenden Überraschungen, Tischpolizei und veganer Kost wurde ein „marrying 101“ der beiden für zukünftige multikulturelle Ehepaare vorgestellt und allen möglichen Stereotypen auf kreative Weise begegnet. Das Publikum lachte herzlich und selbst Sarah und Emeka konnten sich ein Grinsen nicht verkneifen. Auf die anschließende Frage der Moderatorin hin, ob es auch mal kulturelle Missverständnisse zwischen dem Paar gab antwortete Sarah schmunzelnd, dass lediglich ihre „deutsche Direktheit“ mit der „nigerianischen Höflichkeit“ ab und an mal kollidiere.

Insbesondere in der anschließenden Talk-Runde wurde klar, Interkulturalität begrüßen alle, doch wie kann man sie gemeinsam leben? „Diversität und offen gelebte Diversität können zeigen, wie vielfältig Münster ist“ argumentierte Tobias Gehre, doch die Umsetzung erfordere ein breites Publikum. Warum jedoch nur die eigene kleine Nische angesprochen wird und nicht die gemischte Masse sei hierbei die Frage. Niklas Böhmeke vermutete, dass viele Menschen sich nicht bewusst gegen etwas entscheiden sondern ihre Zeit lieber in etwas für sie interessanteres investieren. Erstaunt stellte er fest „wie viele Vereine man noch nicht kennt“ und wäre bereit die „Fühler auszustrecken“. Generell sei Salam Kitchen „primär ein Restaurant“ könne sich aber die Zusammenarbeit mit anderen Vereinen vorstellen. Veranstaltungen offener gestalten und nicht „gegen sondern für etwas sein“, seien wichtige Komponenten für Vereinsinitiativen und auch mal jemanden mit „radikaleren Ansichten“ in den eigenen Veranstaltungsreihen sitzen zu haben, seien Wünsche der Slam Base, was bei den restlichen Teilnehmern auf Zustimmung traf. Alexander Daum von Track Münster berichtete ebenfalls von den Schwierigkeiten andere Kulturgruppen auf sich aufmerksam zu machen. Es existiere das Gefühl „man sei ein bisschen unter sich“ und äußerte den Wunsch sich insbesondere mit Bildungseinrichtungen zu vernetzen. Die Lösung liege wie Maike Grabowski im Verlaufe der Diskussion zusammenfasste in der Zusammenarbeit und Vernetzung durch und mit anderen Vereinen, sowie aus eben jener  „eigenen Blase herauszukommen“. Gegen Ende der Talk-Runde kristallisierten sich erste Verknüpfungen unter den Teilnehmern und dem Vorschlag von Tobias „bei Salam Kitchen diese schöne Runde nochmal auszubauen“ wurde begeistert zugestimmt. Wie es mit dem Vereinskarneval in Münster nun weiter geht sei mit Spannung entgegen zu fiebern und die ersten Impulse zur Zusammenarbeit wären nun gesetzt, so das Schlussplädoyer der Moderatorin Anina. Denn letzten Endes wurde aus einem Selbstgespräch ein Gruppengespräch. Den Abend lies man mit der musikalischen Darbietung der Sängerin Amenda Hü mit den thematisch passenden Songs „price-Tag“, „In case“ und „colours of the wind“ abklingen. Die elfte Ausgabe von „intercult-grenzenlos“ fand im Rahmen der „Aktion-Mein Stadtteil“ statt und wurde vom Bundesministerium des Inneren, für Bau und Heimat gefördert.  img_intercult_20181116aimg_intercult_20181116b

 

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